»Einfach mal machen«


Reinhard „Schotti“ Schottmüller aus Malsch, ist so etwas wie die Lokomotive des deutschen UW-Rugbys – wenn er eine Idee hat, ist es egal, ob er schiebt oder zieht, aufzuhalten oder vom Weg abzubringen ist er dann nicht mehr. Auch nicht von einer Pandemie. Fest verankert im UW-Rugby-Familienbetrieb des Malscher Teams, seine beiden Söhne Jochen und Martin spielen in der Mannschaft, ist ein Wettkampf mit Malsch ohne ihn am Beckenrand kaum vorstellbar. 2019 besiegte Malsch den zwölfmaligen deutschen Meister Bamberg und belegte Platz zwei beim Champions Cup in Berlin.

Wolfgang Tress: Reinhard, erzähl mal, wie du zum UWR gekommen bist und was du heute im UWR machst?
Reinhard Schottmüller: Beruflich bedingt war ich 1991/92 einige Zeit in Darmstadt tätig. Da in der Umgebung kein Tauchverein ein “normales” Schnorcheltraining anbot, ließen mich FTG Pfungstadt und TC Gernsheim als totales Greenhorn an ihren UW-Rugby-Trainings-Abenden teilnehmen. Wieder in Malsch fanden sich schnell ein paar Taucher, die Spaß an UW-Rugby als der Trainingsalternative fanden. In unserer Region spielte damals der TSK Karlsruhe in der 1. Bundesliga. TC Muräne Karlsruhe spielte nur zum Spaß und freute sich über unsere Freundschaftsspiele. Zusammen ging es dann mit tatkräftiger Unterstützung des schwäbischen Urgesteins Gottlob Schmid in der Saison 1993/94 in der Bezirksliga Baden-Württemberg an den Start. In der Folge ging es meist bergauf und 2006 konnte die erste Deutsche Meisterschaft gefeiert werden.
Heute trainiere ich immer noch gerne zusammen mit den Alten aus den 90ern und den Topleuten aus den Bundesligateams, “Montag ist Rugbytag”- Training mit 20 Aktiven. Es war von Anfang an mein Bestreben, in Malsch gute Strukturen zu schaffen und das ist sehr gut gelungen. Zwölf lizenzierte Trainer und eine Gruppe erfahrener Aktive organisieren den “Laden” heute, natürlich unterstütze ich punktuell bei Bedarf. Als Sportwart beim TSV Malsch und UW-Rugby Verantwortlicher beim Badischen Tauchsportverband (BTSV) sehe ich mein Tätigkeitsfeld in der konstruktiven Zusammenarbeit mit Verbänden (DOSB, LSV BW, Badischer Sportbund), Tauchsportverbänden (VDST, WLT) und Gemeinde.

Wolfgang: Wann war das Malscher Team das letzte Mal zu einem Training im Wasser?
Reinhard: Unsere Aktiven waren über den Sommer bis zu drei Mal wöchentlich im Malscher Freibad, im Oktober und Anfang November im Hallenbad. Seit März trainieren die Kaderleute einmal wöchentlich im Fächerbad und ab dem 13. Mai (hoffentlich!) wieder im Freibad.

Wolfgang: Du hast auch in der Pandemie Fortbildungen online organisiert. Was waren die Themen und wie sieht Deine Bilanz aus?
Reinhard: Zusammen mit meinen Jungs Jochen und Martin (Spielanalyse), mit VDST- und DSJ-Unterstützung (Persönlichkeits- und Teamentwicklung Jugendlicher) und mit Sportpsychologen aus Tübingen (Mentales Training) konnten wir sechs Online-Termine organisieren und bis zu vierzig Trainer begrüßen. Obwohl keine Praxiseinheiten im Wasser stattfanden, waren alle Veranstaltungen sehr praxisnah, die Referenten fachlich kompetent und routiniert im Umgang mit Konferenz-Software. Das Teilnehmer-Feedback war durchweg sehr positiv.

Wolfgang: Was sind Deiner Meinung nach die wichtigsten Themen, die das deutsche UWR anpacken sollte, wenn das Training und der reguläre Spielbetrieb wieder möglich ist?
Reinhard: Ich bin nach wie vor der Meinung, dass ein Schwerpunktthema die Trainer-Aus- und Weiterbildung sein sollte. Die UWR1-Seite ist als Kommunikationsmedium etwas in Vergessenheit geraten und sollte wieder stärker von der Szene genutzt werden. Spartensitzungen sollten häufiger als jährlich einmal sein, eine Präsenzveranstaltung muss nicht immer sein. Wichtig ist der Infofluss aus der Sparte bis an die Basis.

Wolfgang: An welche UWR-Projekten arbeitest Du gerade / was hast Du in Planung?
Reinhard: Seit ein paar Monaten versuche ich ein Programm für eine Trainer A Ausbildung UW-Rugby zu erarbeiten. Ein neuer Trainer C Kurs Leistungssport startet im September in Karlsruhe. Persönlichkeits- und Teamentwicklung auf Basis sportpsychologischer Themenbereiche wird ein weiterer Themenkomplex sein, der mich interessiert.

Unser Autor:
Wolfgang Tress
UW-Rugby Trainer
& Schiedsrichter

Quelle: INTERVIEW: REINHARD SCHOTTMÜLLER (sporttaucher.net)